Ich bin Yasin Akbulut, 40 Jahre alt,
Taxiunternehmer in Tübingen – seit über 20 Jahren bin ich Teil dieser Branche. Ich habe erlebt, wie das Taxigewerbe sich verändert hat – leider nicht immer zum Guten. Der Druck durch digitale Plattformen wie Uber, Bolt oder Free Now wächst täglich. Was früher klare Spielregeln hatte, ist heute ein unfairer Wettbewerb auf dem Rücken ehrlicher Unternehmerinnen und Unternehmer
Der Wandel kam schleichend – und wir haben ihn verschlafen
Wir – und ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus – haben lange Zeit weggeschaut. Während Plattformen in anderen Ländern längst das klassische Taxi verdrängt haben, haben wir uns in Deutschland an den Taxiständen lieber darüber gestritten, wer an erster Stelle steht. Wir haben auf alte Strukturen vertraut und dabei den technologischen und wirtschaftlichen Wandel verpasst. Das rächt sich jetzt.
Wo bleiben unsere Interessenvertreter?
Natürlich haben wir Taxi-Verbände. Aber mal ehrlich: Wenn der Altersdurchschnitt in den Vorständen bei über 50 Jahren liegt, fehlt oft der Anschluss an die heutige Realität. Pressemitteilungen und kurze Videos auf YouTube reichen nicht, um gegen milliardenschwere Unternehmen aus dem Silicon Valley anzukommen. Wir brauchen echte Strategien, moderne Kommunikation und mutige Führung.
Interne Spaltung statt Zusammenhalt
Ein weiteres Problem liegt in der Zersplitterung der Branche. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe sollten eigentlich eine Stärke sein – Vielfalt kann innovativ und stark machen. Doch was wir sehen, ist das Gegenteil: Missgunst, Misstrauen und Konkurrenzdenken bestimmen oft das Miteinander. Anstatt zusammenzustehen, versuchen viele, sich gegenseitig auszustechen – ein fataler Fehler in Zeiten, in denen uns von außen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Ein Selbstversuch mit Uber – und ein bitteres Fazit
Aus Neugier habe ich mich testweise mit einem meiner Mietwagen bei Uber registriert. Eine Fahrt, die im Taxi rund 16 Euro gekostet hätte, wurde mir dort mit knapp 7 Euro vergütet. Davon gehen noch 19 % Umsatzsteuer ab. Das bedeutet: Ich habe draufgezahlt. Wie kann es sein, dass solche Modelle legal und marktfähig sind – während wir an gesetzliche Vorgaben gebunden sind, die uns strangulieren?
Was wir brauchen: Mindestpreise und klare Regeln
Ich fordere ganz klar die Einführung von Mindestpreisen im Mietwagen- und Plattformgeschäft, wie es sie auch in anderen europäischen Ländern bereits gibt. Es kann nicht sein, dass Unternehmen mit Milliardenbudgets die Preise diktieren und ehrliche Betriebe zerstören, nur weil sie es sich leisten können. Ein fairer Wettbewerb braucht faire Bedingungen – für alle.
Ein Appell an die Kolleginnen und Kollegen
Die Zeit des „Wird schon irgendwie gut gehen“ ist vorbei. Wer jetzt nicht aktiv wird, wird langfristig untergehen. Pflegt eure Stammkunden, investiert in Service und Qualität, digitalisiert euer Geschäft – und vor allem: Vernetzt euch! Nur gemeinsam können wir eine Zukunft für das Taxigewerbe in Deutschland sichern.
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Yasin Akbulut
Taxiunternehmer aus Tübingen
👉 www.taxi-akbulut.de
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